Freitag, 30. Juni 2017

Sakrales Gelaber

was mich stört...


...sind diese Inhaltsleeren Floskeln, die mir ständig über die Lippen kommen. Was mich stört sind die inhaltsleeren Gedanken, die ich im Gebet habe. Was mich stört ist meine ach so heilige und sakrale Gebetsstimme, die ich mir aneigne, wenn ich mit Gott rede. Was mich stört ist ganz einfach: Ich habe nicht das Gefühl authentisch zu sein wenn ich bete.

Wenn ich für mich alleine bete, dann kann ich in Gedanken minutenlang Anliegen vor Gott bringen und doch nichts sagen. Was ich gedanklich formuliere verpufft im selben Augenblick in meinem Kopf und ist vergessen. Nichts als Routine und Pflichtbewusstsein. Nichts als sakrales Gelaber.

Auch in Gruppen ist es nicht besser. In Liebenzell wird häufig in Kleingruppen gebetet. Die Anliegen sind meist vorgegeben. So beten wir für Missionare, für weltweite Arbeit und ab und an auch für uns selbst. Alles nicht schlecht. Ich finde das Anliegen super und an der Sache selbst ist nichts auszusetzen. Ich möchte dabei vor allem von mir sprechen, da ich nicht über andere richten will. Mir geht es oft so, dass mich ganz andere Dinge beschäftigen, als diese, die vorgestellt werden. Persönliche Dinge, Persönliche Dinge von Freunden, Anliegen, die einfach nicht in die Situation passen. Die meisten vorgestellten Anliegen sind für mich oft gänzlich fremd.
Mein Problem ist nun, dass ich nicht ehrlich und authentisch für die Leute beten kann. Ich kann Dinge sagen, die wie Gebet klingen, aber dabei fühle ich mich nicht echt. Es fühlt sich für mich nicht richtig an.

Bevor ich weiter schreibe muss ich noch eine Kleinigkeit los werden. Ich möchte hier niemanden persönlich angreifen. Ich möchte niemandem seine persönliche Beziehung zu Jesus absprechen. Es gilt das Prinzip: Prüfe alles und das Gute behalte. Vielleicht ist deine Art Gott anzubeten für dich genau richtig. Dann fühle dich nicht angesprochen. Vielleicht merkst du aber auch, ähnlich wie ich, dass dein Gebet für dich nicht echt ist, dann freue ich mich, wenn wir gemeinsam auf einem Weg sind.

Sakrales Gelaber hat für mich auch viel mit bestimmten Floskeln zu tun, die wir ständig gebrauchen. Worte, die kein Mensch, weder du noch ich, im Alltag verwenden. Ähnlich wie eine Bühnenstimme verfallen viele(mich eingeschlossen) in eine sakrale Gebetsstimme. Diese Stimme, so ist es bei mir, kommt aber nur hervor, sobald ich eine Gebetsgemeisnchaft habe. Ich frage mich also: Spreche ich in Gebetsgemeinschaften mit Gott, wie ich es auch sonst tue? Ist es noch echt? Spreche ich mit Gott oder mit den anderen in der Gebetsgemeinschaft?
Versteht mich nicht falsch. Ich möchte wie gesagt über niemanden urteilen, aber ich beobachte in letzter Zeit immer wieder, wie in Gebetsgemeinschaften immer wieder gleiche Floskeln runtergeleiert werden. Im gleichen Zug beschweren sich einige, dass liturgische Gottesdienste mit vorformulierten Gebeten nicht so ihr Ding seien. Aber sind solche Gebete nicht immerhin noch mit Inhalt gefüllt? Werden da nicht immerhin Anliegen vor Gott gebracht, ihn wird er da nicht immerhin gezielt gelobt?
Floskeln [hier deine Lieblingsfloskel denken] werden immer wieder wiederholt und irgendwann weiß man, was sein Nachbar gleich sagen wird, was seine nächsten Worte sind und eigentlich könnte man auch für ihn weiterbeten.

Ich will aber nicht nur jammern. Da mich das Thema schon länger beschäftigt, habe ich meine Gebetspraxis etwas verändert. Vielleicht hilft dir das ein oder andere ja auch oder du hast selbst einen genialen Tipp, wie das Gebetsleben wieder lebendig wird, wie es nicht nur eine Aneinanderreihung von Floskeln ist und wie inhaltsleeres sakrales Gelaber zu einem angeregten Gespräch mit Gott wird.

Allein seelig machende Rettung ;)

sprich stumm

Klingt komisch, hilft mir aber. Ich bete nicht mehr nur in Gedanken, sondern ich bewege dazu meine Lippen. Als würde ich normal mit jemandem reden, der neben mir sitzt. Solltest du alleine sein, oder sollte es dir egal sein, darfst du natürlich auch laut beten. Das mache ich auch ab und an. Aber sollte es der Situation nicht entsprechen, dann bewege ich zumindest meine Lippen und gestalte die Worte nicht nur in meinem Kopf, sondern lasse sie somit auch körperlich lebendig werden. Mir hilft das, nicht abzuschweifen. Mir hilft das konkret zu werden. Mir hilft das nicht zu labern.

Vorüberlegungen

Wenn du am Abend oder auch am Morgen betest, dann mache dir doch kurz davor ein par Gedanken. Denke darüber nach, für was du dankbar bist, für was du bitten möchtest, was dich beschäftigt, für was du Gott loben möchtest, was dich gerade ankotzt usw. Schreib dir Stichworte auf. Und dann halte dich nicht sklavisch an den Zettel. Nimm ihn als Hilfe, aber sei frei auch darüber hinaus mit Gott über Dinge zu reden, die dir gerade erst kommen.

Geh raus

Eine Sache, die mich schon öfters in lange Gespräche mit Gott verwickelt haben sind Gebetsspaziergänge. Sich bewegen, Die Natur genießen und dabei mit Gott reden. In solchen Spaziergängen hatte ich bisher die ehrlichsten Gespräche mit Gott. Dabei musst du natürlich nicht ständig reden. Ich genieße dabei auch die Natur, ich beobachte Menschen, ich höre auf Gottes Stimme und irgendwie bringe ich da schon mal ein paar Stunden rum. Wenn Spaziergänge nicht so dein Ding sind, dann gibt es vielleicht andere Dinge, bei denen du aus deinem normalen Alltag rauskommst. Für manche mag es das Autofahren sein, für den anderen Kaffee trinken mit Gott. Schau was zu dir passt.

Gebet ist kein Zwang

Gott verpflichtet dich nicht in einer Gebetsgemeinschaft laut zu beten. Wir haben seit kurzem die Möglichkeit bei ein paar Veranstaltungen für uns alleine zu beten. Ich nutze das verstärkt. Aber auch in der Gruppe musst du nichts sagen. Du darfst still für dich beten, du darfst in Gedanken mit den anderen mitbeten(auch dort bewege ich meine Lippen ab und an mit), du darfst auch einfach nur auf Gottes Stimme hören.
Ich bin selber nicht bei jeder Gebetsgemeinschaft still. Ich bete auch öfters laut. Aber ich bete dann vor allem für die Dinge, mit denen ich auch persönlich etwas verbinden kann. Dabei muss ich nicht die Menschen kennen. Es reicht mir manchmal schon, dass ich den Ort kenne, dass ich jemand anderen kenne, der von dort kommt oder etwas anderes, was mich irgendwie damit verbindet.

Beziehung

Fang an, Gebet wirklich als Beziehung zu sehen. Als ein Gespräch. Mit jemandem, der dir zuhört, der dir auch antwortet, der sich für das interessiert, was du sagst. Oft ist es doch so, dass wir das doch wissen und vermutlich sagst du, dass das doch klar ist. Aber ich glaube, dass uns das bewusst sein kann und dennoch oft nicht interessiert. Hast du Gott schon einmal angeschrieen? Hast du ihm schon einmal ehrlich gesagt, dass du mit dem oder jenem überhaupt nicht einverstanden bist und es auch nicht verstehen kannst? Und hör auf, deinen Gefühlen zu wiedersprechen. Wenn du wütend bist auf Gott, dann relativiere deine Aussage nicht gleich wieder. "Aber wenn es dein Plan ist, dann will ich folgen." Sage das nur, wenn du davon wirklich überzeugt bist. Wenn du für Kranke betest, dann bete um Gesundheit. Flehe Gott an, Kämpfe dafür im Gebet. Lebe im Gebet eine Beziehung zu Gott. In einer Beziehung geht es immer um mehr als nur um eine Person. Es geht im Gebet nicht nur um Gott. Es geht auch um dich.


Montag, 29. Mai 2017

Long time no see

Hallo ihr Räuber,
er ist wieder da! Also ich. Ihr wisst was ich meine.

Ob es eine gute Idee ist, direkt nach dem TMT einen Blog zu schreiben weiß ich nicht. Ja, ich nutze das TMT als Ausrede für schlechten Stil und falsche Sprache.

Die Frage:

Wie viel  Einsatz ist gut für uns? Vollgas für Jesus. Alls für den Herrn und zwar wirklich ALLES! Sich voll verausgaben. In den Verantwortungen, in denen wir stehen und in den Aufgaben, die wir haben. Ganz egal, ob du Hauptamtlicher bist und 10 Gemeinden leitest oder ob du Ehrenamtlicher bist und dich um die Jungschar kümmerst. Wann ist es zu viel des Guten! Ab wann ist der Punkt erreicht, dass man sich rausnehmen darf. Gibt es diesen Punkt denn überhaupt?
Diese Frage beschäftigt mich nun schon einige Monate.

Das Leben:

In meinem jugendlichen Leicht- (und Wahn-)sinn war ich starker Verfechter der Alles oder Nichts Philosophie. Wenn ich in der Jungschar mitarbeite, dann bitte auch ganz. Dann bin ich jeden Dienstag da. Dann bereite ich mich auch vor. Dann gehe ich auf die Schulungen vom EC. Dann muss alles andere hinten anstehen. Jede Klassenarbeit, jede Prüfung und jede andere Tätigkeit. Auch der Fußball damals. Ebenso ging es mir mit meiner Funktion als JK Leiter. Später im FSJ ging es ebenso weiter. Nur war ich da schon der Mini-JuRef. Begrenzt auf 1 Jahr war es auch in Ordnung dieses Jahr mit Vollgas zu bestreiten.

Der Aufgabenpool:

In Liebenzell merke ich, dass es nicht immer so einfach ist. Mich überwältigen zu viele Aufgaben und zu knapper Zeit. Gerade das letzte halbe Jahr war wieder mal voll gestopft mit den verschiedensten Tätigkeiten. Da habe ich die Aufgaben im KV Vorstand, meine Rolle als Student und somit auch ganz schön viel Lernzeug an der Backe, nebenbei will ich noch TK in Würzbach machen, mein Freundeskreis von daheim abdecken, die WG, in der ich lebe nicht vernachlässigen, die restlichen Studis auf dem ach so heiligen Berg mit der ein oder anderen Veranstaltung beglücken, und die eigene Family hat ebenso ihren ganz wichtigen Platz. Die Hälfte habe ich vermutlich gerade vergessen. Mich zerreist es manchmal und es gibt Wochen, da weiß ich nicht wo mir der Kopf steht.
Mein persönliches Problem ist, dass ich vermutlich zu wenig Nein sagen kann und mir die ganze Arbeit nebenbei auch noch Spaß macht. Immerhin eine gute Voraussetzung.

Das Hamsterrad:

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Wann ist es genug? Im letzten Semester hatten wir das Modul "Führung und Coaching". Dort war das Thema Burnout zwar ein Randthema, aber dennoch nicht unwichtig. Stell dir vor, du bist ein Hamster. Drehst du das Hamsterrad oder dreht das Hamsterrad dich?  Bestimmt die Arbeit dein Leben oder kann ich noch selbst bestimmen, was ich machen möchte und was nicht? Kann ich, wenn es zu viel wird, mit Tätigkeiten aufhören oder bricht das gesamte System zusammen, wenn ich Arbeit abgebe? Die Frage nach dem Hamsterrad lohnt sich immer wieder zu stellen.

Die Beziehungen:

Ein zweiter Faktor stellt die Beziehungen dar. Man könnte noch einmal aufteilen in Beziehung zu Menschen und Beziehung zu Gott, aber denkt euch einfach beide Seiten mit. Leiden meine Beziehungen darunter? Kann ich Freundschaften pflegen? Kann ich zwischendurch auch einfach mal Beziehungen leben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Klar, der ein oder andere mag sagen, dass mein Job schließlich Beziehungsarbeit sei, aber genau da ist der Knackpunkt. Arbeit! In welchem Rahmen können gesunde Beziehungen entstehen und wachsen. Nehme ich mir den Freiraum oder nicht. Das ist ein Punkt, mit dem ich selbst am meisten zu kämpfen habe.

Der dritte Punkt:

Weil jede Aufzählung drei Punkte haben muss. Die Zeit für mich selbst! Habe ich einen Rahmen, in dem ich mich selbst entfalten kann? Kann ich mich selbst entwickeln und meine eigenen Wünsche und Interessen verfolgen? --- Ist das nicht postmodern und böse? --- fragt sich der ein oder andere vielleicht. Ich glaube Nein. Gott hat in dich Begabungen hineingelegt. Er hat uns Menschen als bedürftige Menschen geschaffen. Als Menschen, die Wünsche, die Ziele und die Bestrebungen haben. Ich glaube, wir handeln zu Gottes Ehre, wenn wir uns um uns selbst kümmern. Und damit meine ich kein um sich selbst drehen. Denn die Gefahr des zu viel entsteht nicht dadurch, dass wir nur nach uns selbst schauen. Die Gefahr des zu viel entseht im Gegenteil, das wir uns selbst vergessen, nicht mehr auf unseren Körper hören und uns selbst vernachlässigen. Deshalb: Schaffe dir Zeiten, in denen du ausruhen kannst. In denen du eigene Interssen verfolgst. Einem Hobby nachgehst oder einfach nur faulenzt. Nicht als Lebensmitte, aber als Ausgleich.

Fazit:

Das was wir tun, sollten wir mit vollem Einsatz tun, keine Frage. Aber vergessen wir nicht, dass wir uns nicht von der Arbeit oder vom Amt bestimmen lassen sollten. Die Beziehungen zu unseren Mitmenschen und zu Gott sollte immer einen Platz in unserem Leben haben und auch uns selbst und unsere Bedürfnisse dürfen nicht zu kurz kommen.

Samstag, 12. November 2016

Zwist mit Gott?

Lang ists her seit dem letzten Blog.
In den letzten Wochen und Monaten habe ich mir immer mal wieder Gedanken zum Thema Selbstverwirklichung gemacht. Und ich bin damit noch lange nicht durch. Vielleicht habt ihr ja auch Anregungen o.ä.

Ich habe mich gefragt, wie Selbstverwirklichung unter Christen aussieht? Ist es sinnvoll nach eigenen Interessen zu streben (vor allem Hobbys o.ä. gemeint)? Dem nachzugehen, was einem selbst, ganz egoistisch, wichtig ist?
Und um es noch provokativer zu fragen: Will Gott, das wir unseren eigenen egoistischen Träumen nachjagen? 

Ja, träume und lebe

Will Gott nicht, dass es uns gut geht? Unsere Begabungen sind doch von Gott gegeben. Warum sollte ich sie nicht ausschöpfen? Unsere Wünsche, Ziele, Träume sind doch etwas, womit Gott arbeitet. Und das, was uns ausmacht kann er doch gebrauchen, um sein Reich zu bauen. Auch wenn diese Selbstverwirklichung egoistischer Natur sind, können sie doch auch zu Gottes Ehre gemacht werden. Haben wir nicht die Freiheit unser Leben zu leben?

Nein, trachte nach dem Reich Gottes

Auf der anderen Seite ist das doch auch eine riesen Gefahr. Wer nur auf sich selbst konzentriert ist, der ist blind für seine Mitmenschen. Müssen wir nicht nach Gottes Willen fragen, anstatt an unserem festzuhalten? "Wer aber mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!" Ist das nicht die klare Aufforderung sich selbst wegzuwerfen? Sich selbst Gott so hinzugeben, dass Gott mein Leben bestimmt? Müssen wir da nicht für Gott leiden?
Ihr merkt vielleicht schon, wie ich hier etwas negativer schreibe. Warum?

Mir gefällt das nicht

Mir gefällt es nicht, mein Leben aufzugeben. Mich selbst aufzugeben. Ist das wirklich damit gemeint? Seine Wünsche an den Nagel zu hängen? Meint das Gott? Wenn nicht, was meint er dann?
Wenn nicht, kann ich dann meinen Wünschen, meinen Selbstverwirklichungsträumen nachgehen?
Oder ist das eine Wunschvorstellung, die wir Menschen uns gerne machen?
Ich möchte mich gerne verwirklichen. Ich möchte gerne das tun, was mir Spaß macht. Und JA verdammt (darf er das?), ich habe Wünsche und Träume, die nichts mit Gott zu tun haben! Ich wünsche mir Dinge, die mein Leben schön machen, die mich weltlich glücklich machen! Ich möchte gerne Dinge tun, die nicht typisch christlich sind (ich meine damit keine Christusfeindlichen Aktivitäten, sondern einfach Dinge).


Ich bin da persönlich gerade in einem tiefen "Zwist" mit Gott. Keine Sorge, ich falle nicht gleich vom Glauben ab, aber ich möchte wissen was Sache ist. Ich möchte Klarheit. Ich möchte Weisheit.

Und ich möchte euch da mit einbeziehen. Denn als Christ lebe ich nicht alleine, sondern habe liebe Geschwister im HErrn, die vielleicht noch eine andere Perspektive haben.

Montag, 29. August 2016

Zwischenzeit

Es gibt unterschiedliche Phasen in einem Leben. Zumindest in meinem Leben. Phasen, die von Menschen geprägt sind und Phasen die von Projekten geprägt sind. Nicht selten kommt beides auf einmal. Diese Phasen sind meistens sehr spannend und oft auch sehr anstrengend. Aber sie bringen einen meistens weiter.
Sei es die Schulphase. In dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt. Nicht nur schulisch und akademisch. Sondern auch, wie ich mit anderen Menschen, meinen Mitschülern, Lehrern usw. umgehe. Ich habe gelernt mich in einer Gruppe einzugliedern und meinen Platz zu finden. Irgendwann kam die Abiturphase in meinem Leben. Die war dann sehr viel mehr von Schulischem Stress geprägt. Wobei... Wenn ich so drüber nachdenke habe ich auch da nicht sonderlich viel mehr gelernt, aber dennoch war der Fokus ein deutlich anderer als zuvor. Vor allem, weil ich schon auf meine nächste Phase in meinem Leben voraus geblickt habe. Es kam mein FSJ. Ebenfalls eine sehr spannende Zeit mit vielen Erlebnissen und vielem, was ich gelernt habe. Die erste Phase, die nicht in meinem gewohnten Umfeld daheim ablief. Die erste Phase, die mich aus meinem sonst so normalen Leben herausgerissen hatte. Und die Phase in der ich momentan stecke ist mein Studium. Mittendrin. Halbzeit. Bergfest.

Aber warum erzähle ich das alles? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zwischen jeder Phase eine gewisse Zwischenzeit liegt. Eine Zeit, die in keine Phase hineinpassen will. Zwischen Realschule und Abitur, zwischen Abitur und FSJ, zwischen FSJ und Studium. Eine kleine Zeitspanne, die ich die verheißungsvoll die "Zwischenzeit" nennen möchte. Ich glaube, dass diese Zeiten unheimlich wichtig sind. Zumindest waren sie das für mich. Dazu 3 Aspekte zur Zwischenzeit:

1. Ruhe

Meistens sind meine Lebensphasen mit sehr viel Stress und Anspannung beladen. Man hat ein Ziel auf das man zusteuert, einen Tag X an dem alles vorbei ist und man kommt von einem ins andere. Kaum hat man die eine Etappe erreicht kommt schon das nächste Zwischenziel angetrabt und erwartet erfüllt zu werden. Wir leben in einer gehezten Leistungsgesellschaft und da freue ich mich immer wieder über eine Zeit der Ruhe. Und die Zwischenzeit ist eine solche Zeit. Keine Ansprüche die an einen gestellt werden, keine Erwartungen, die erfüllt werden müssen. Niemand, der dir sagt, was als nächstes zu tun ist (alles etwas überspitzt, in dieser Reinform wird sie wahrscheinlich sehr selten auftreten). Ich persönlich genieße diese Zwischenzeite, wenn ich mal wieder Zeit finde intensiv meinen Hobbys nachzugehen oder eigene kleine Projekte in Angriff zu nehmen. Ich genieße die Zeit, wenn ich einfach mal ein Buch lesen kann und mich entspannt zurücklehnen darf. Die Ruhe ist zwischen zwei Phasen ist für mich enorm wichtig.

2. neuer Fokus

In der Regel ist die alte Phase beendet und agbeschlossen. Das nächste Ziel ist schon vor Augen. In der Zwischenzeit kann ich mich neu fokussieren. Neu ausrichten. Manchmal schaffe ich es auch alte Gewohnheiten abzulegen und neue zu starten. In der Zwischenzeit kann ich mir Gedanken machen, kann Pläne schmieden, ohne den Druck zu haben, dass es gleich los geht. Ich kann ein Stück weit träumen und visionieren um gestärkt und mit voller Motivation die neue Aufgabe in Angriff nehmen zu können.

3. JesusTime

Wo in meinem Alltag immer wieder die Zeit mit Gott verloren geht kann ich in dieser Zeit wieder intesiv mit Gott reden. Klar, ich will das auch in meinem Alltagsstress. Nur muss ich gestehen, dass bei mir der Alltag leider all zu oft gewinnt und meine Zeit mit Gott auf der Strecke bleibt. Wie genial ist da diese Zwischenzeit, in der ich wieder auf Gott sehen kann. In der ich lange Spaziergänge mit ihm unternehme und einfach mal wieder richtig lange und intensiv in der Bibel lesen kann. In der ich wieder Motivation für den stressigen Alltag tanken kann und mir immer wieder vornehme diese Beziehung mit Jesus intensiver zu pflegen als zuvor.


Die Zwischenzeit ist nicht nur zwischen großen Lebensphasen vorhanden. Ich glaube, dass es wichtig ist sich immer wieder kleiner "MiniZwischenzeiten" zu gönnen. Momentan erlebe ich eine zwischen ProCamp und Studiumsbeginn. Es ist nur eine Woche, aber ich darf sie bewusst nutzen um auszuruhen, meinen Fokus wieder neu aufs Hauptstudium zu richten und wieder eine intensivere Beziehung mit Jesus zu führen.
Wann hattest du deine letzte Zwischenzeit?

Montag, 25. Juli 2016

Fleischlos durch den Sommer

8 Wochen ohne Fleisch liegen hinter mir. 8 Wochen, in denen ich auf Fleisch, Fisch, Geflügel und dergleichen verzichtet habe. Aus welchem Grund? Mit welchem Ziel? Und wie war es eigentlich?

Immer wieder wurde ich gefragt weshalb ich denn verzichte. Es hatte keinen streng religiösen Grund, wobei die Entscheidung schon auch im Gebet gefallen ist. Dennoch war kein Fasten und Gott näher kommen der Grund. Hauptsächlich wollte ich es einfach mal gemacht haben. Ich wollte es ausprobieren und selbst herausfinden, wie schwer es eigentlich ist, kein Fleisch zu essen. Außerdem spielt das Konsumieren von Produkten aus der Massentierhaltung auch eine kleine Rolle. Schon lange dachte ich mir, dass es irgendwie doof ist, dass wir so krass viel Fleisch essen. Also, um wieder auf den ersten Grund zu kommen, wollte ich probieren, wie gut es geht Fleischlos zu essen.

Mein Ergebnis und die 8 Wochen überraschten mich selbst ein wenig. Ich muss sagen, dass ich sehr gut ausgekommen bin. Nur selten war es nicht ganz so leicht. Die ersten zwei bis drei Grillsessions und eine Hochzeit waren so die schwierigsten Momente. Ansonsten fiel es mir nicht wirklich schwer. Mich hat etwas anderes deutlich mehr gestört. Im Gespräch mit anderen gab es die unterschiedlichsten Reaktionen. Manche lobten, manche waren etwas verdutzt, konnten es aber nachvollziehen und manche, nunja, bei ein paar stieß es auf so großes Unverständnis, dass sie mich und das Fleischlose dasein runter machen mussten. Gerade letztere Gruppe hat mich etwas schockiert. Das waren nicht viele. Ich glaube, ich könnte sie an einer Hand abzählen. Aber es gibt sie. Und da habe ich mich selbst hinterfragt und möchte euch hinterfragen: Denken wir über die Sachen wirklich nach, wenn wir sie sagen? Wir müssen ja nicht alles gutheißen und nicht alles verstehen, aber ist es notwendig andere deshalb zu verletzen? Ich glaube, ich bin da abgehärtet und schlagfertig genug mich zu wehren, aber trotzdem kann ich das nicht gutheißen. Das fand ich zeitweise deutlich krasser, als auf das Fleisch zu verzichten und in meiner machnmal trotzigen Verfassung drängt es mich schon fast dazu Vegetarier zu werden. Aber nur fast ;)

Wie geht es denn jetzt weiter? Ich werde nicht komplett auf Fleisch verzichten. Dazu mag ich Fleisch einfach viel zu sehr. Aber Ich möchte deutlich bewusster Fleisch essen. Nicht mehr ganz so oft und wenn, dann gezielt darauf achtend, woher das Fleisch kommt. Zu diesem Ergebnis bin ich gekommen. Denn täglich Fleisch zu essen, das brauche ich nicht.